© FS

Meerkirche Borkum - Kirche unterm Leuchtturm

Quelle: Jörg Schulze
Die Glocken laden zum Abendgebet nach Taizé ein. Ein junges Paar steht neugierig in der Kirchentür, durch das Geläut und die offene Tür gelockt, und blickt auf das Meer von Kerzen im Chorraum. Nach einem kurzen Gespräch lassen sie sich einladen und bleiben. An jedem Freitagabend füllt sich die Kirche zahlreich, in der die bekannten Gesänge aus der Bruderschaft im Burgund erklingen.
Bei vielen Gottesdiensten ist die Christuskirche viel zu klein. Sie war 1899 als Notkirche gebaut worden und sollte später durch eine größere ersetzt werden. Die Pläne aus den frühen 30er Jahren liegen noch im Archiv. Aber dazu kam es nicht. So stehen Gäste oft staunend im Eingang und äußern, dass sie die volle Kirche an Weihnachten erinnere. „Ist das bei Ihnen immer so?“ Fast immer! 
In der Saison ist es manchmal wie beim Kirchentag. Nur stehen keine Pfadfinder mit Schildern „Kirche überfüllt!“ dort. Dann kommt es vor, dass die Gottesdienste bei gutem Wetter auf die Straße verlegt werden, weil die etwas mehr als 250 Sitzplätze nicht ausreichen, und weil es draußen unterm Leuchtturm und Gottes offenem Himmel einfach schön ist. Im Laufe der Feier füllt sich die Fläche immer mehr, so dass gegen Ende auch mal bis zu 400 Mitfeiernde neben den vorbeiziehenden Touristen fröhlich und kräftig einen Choral singen, das Vaterunser beten und den Segen empfangen.
Die Lage der Kirche ist heute ihr Pfund! Eigentlich hatte die kleine Gemeinde gezögert, denn so weit außerhalb in den Dünen sollte ihr Gotteshaus entstehen? Da draußen gab es doch nur den damals noch neuen Leuchtturm, die ersten Hotels waren im Bau, und sonst viel Sand und Strand. Das Grundstück war eine Schenkung und das Geld knapp. So entstand die Christuskirche in nächster Nähe zum Meer, was heute - 125 Jahre später - ein großes Glück ist. Täglich ziehen unzählige Menschen auf dem Weg zum Strand an ihr vorbei. Viele informieren sich „by the way“ über Gottesdienste und Veranstaltungen oder genießen die Stille in der „Oase am Weg“ für Einkehr, Andacht und Gebet.
Borkum ist die westlichste und größte der Ostfriesischen Inseln. Die lutherische Inselkirchengemeinde ist klein, die Gästegemeinde dagegen ist riesig, bestehend aus Urlaubenden, Kurgästen aus Reha- und Eltern-Kind-Kliniken und Gruppen in überwiegend kirchlichen Freizeithäusern mit vielen Interessierten, die die Kirchengemeinde als ihre Gemeinde auf Zeit ins Herz geschlossen haben und sich in ihr neben Insulanerinnen und Insulanern herzlich willkommen und zuhause fühlen.