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Die Meerkirchen - Kirchengemeinden im Meer

Was sind "Inselgemeinden"?

Was ist auf einer Insel anders als am Festland?
Inseln sind klein und zwischen jeder Insel und dem Festland liegen mehrere  Kilometer Wattenmeer. Inseln erreicht man nur mit einer Fähre oder (teilweise) mit einem Flugzeug.
Die Gäste loben dies als „Entschleunigung“. Für die Insulaner bedeutet die Fährabhängigkeit bei Festlandaufenthalten (z.B. Arztbesuchen) gut planen zu müssen, entsprechend viel Zeit mitzubringen und Übernachtungen einzuplanen. Bei Sturm oder Sturmflut fallen die Fähren aus. Was am Festland wenig bekannt ist: auch Ostwind beeinflusst den Fährverkehr, weil er das Wasser aus dem Wattenmeer treibt und die Fähren dann ihren Betrieb einstellen. Das (teure) Flugzeug ist bei Sturm oder Ostwind keine Alternative, denn bei Böen fliegen die Kleinflugzeuge nicht. Regelmäßig sind die Inseln nicht erreichbar. 
Kennt eigentlich jeder jeden?
Ja, oftmals! Im Guten wie im Schlechten. Inseln sind abgeschlossene Bereiche. Im Sommer fällt dies durch die vielen Gäste wenig auf. Im Winter wird dann für alle sichtbar, wie das Leben der Einzelnen verläuft. Krankheiten, Familienschicksale, Trennungen, Affären  - wirklich alles ist nach kurzer Zeit bekannt. In so engen Gemeinschaften geht es einerseits sehr unbarmherzig zu, andererseits hält man zusammen, wenn es drauf ankommt. Die Ortspastores sind für diese Gemeinschaften wichtige Ansprechpartner. Sie sind verlässlich da. Als Zugezogene stehen sie aber außerhalb der Familien- oder anderweitigen Netzwerke. Auf den kleinen Inseln gibt es keinen hauptamtlichen Bestatter, keine Beratungsstellen oder Psychologen. Bei der Pastorin, beim Pastor fragt man an, wenn man nicht weiter weiß.  
Der Inselschatz
Erst der Tourismus hat Wohlstand auf die davor kargen und bettelarmen Inseln gebracht. Der Schatz der Inseln sind die Urlauber. Auf den Inseln wird lieber von „Gästen“ als von Urlaubern gesprochen. Denn der Tourismus hat mit kleinen Familienpensionen begonnen, in denen die Urlauber bei Familien „zu Gast“ waren: Im Sommer wurden alle Schlafzimmer geräumt, die Familie zog in den Schuppen im  Garten und die „Gäste“ bewohnten das Haus. 
Die ostfriesischen Inseln haben eine weitere Besonderheit: Es gibt zahlreiche kirchliche Gästehäuser! Allein auf der kleinen Insel Spiekeroog gibt es 11 kirchliche Häuser. Kirchliche Gästehäuser beherbergen kirchennahe Gäste. Oftmals Gruppen, welche für eine Freizeit, ein (Posaunen-)Chorwochenende oder eine Fortbildung anreisen. Wenn die Teilnehmer nach ihrem Aufenthalt begeistert nach Hause fahren, hat es eine große Wahrscheinlichkeit, dass anschließend ein weiterer „privater“ Inselaufenthalt gebucht wird. Manchmal wieder in kirchlichen Häusern, oft aber auch in Ferienwohnungen, einer Pension oder im Hotel. Für die Inselkirchengemeinden sind diese Gäste ein besonderer Inselschatz: denn kirchennahe Gäste suchen und besuchen auch im Urlaub „ihre“ Kirche. Sie füllen und bereichern die Gottesdienste, Andachten und Veranstaltungen der  Inselgemeinden. 
Autos oder Pferde?
Auf Borkum und Norderney gibt es einen (eingeschränkten) Autoverkehr. Juist, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog sind autofrei. Hier traben morgens die Pferde der Müllabfuhr über die Insel oder E-Karren surren leise übers Pflaster. Wenn jemand verstirbt, wird die verstorbene Person mit der Beerdigungskutsche oder mit dem Handwagen abgeholt. Die Nachbarn versammeln sich dazu vor dem jeweiligen Haus und geleiten die Toten bis zur Leichenhalle an der Kirche. 
Gibt es auf den Inseln Schulen?
Ja! Alle Inseln haben eine Grund- und Oberschule, so dass ein Schulbesuch bis zur 10. Klasse möglich ist. Auf Baltrum besuchen derzeit 10 Kinder die Grundschule und weitere 21 Kinder die Oberschule. Unterrichtet werden sie von sieben Lehrkräften. Auf Spiekeroog gibt es sogar ein Internat, wo man mit dem Hauptfach „Segeln“ sein Abitur machen kann.  
Gibt es eine Post, Ärzte oder eine  Polizeistation?
Ja, auf jeder Insel gibt es eine Postfiliale.
Jede Insel hat mindestens eine Hausarztpraxis.
Die Polizei besetzt jede Insel (wegen der Bereitschaftszeiten) mit min. zwei Polizeibeamten, sowie einer weiteren saisonalen „Verstärkerkraft“. 
Inseln und Kirche: Wir brauchen Ihre Unterstützung!
Vieles auf den Ostfriesischen Inseln geschieht mit großem Engagement ehrenamtlich oder spendenfinanziert. Doch es braucht einen „Motor“, eine Person die koordiniert, motiviert und im Zweifel rettet, was gerettet werden muss. Eine Person, welche an einem Abend die Familie des plötzlich verstorbenen Badegastes kompetent begleitet und am nächsten Morgen den Teilnehmern einer Freizeit eine Führung durch die Inselkirche gibt. Dies ist auf allen Inseln die jeweilige Pfarrperson. Die Erfahrung zeigt: Für eine verlässliche Arbeit der Inselkirchengemeinden braucht es eine ganze  Pfarrstelle pro Insel. Schließlich kann man die Insel nicht mal eben schnell verlassen oder erreichen! Inseln sind begrenzt in ihrer Fläche, Einwohnerzahl und Bettenkapazität. Die Kirchenvorstände der Inseln sind engagiert, aber im Sommer ist wenig Zeit, weil viele Kirchenvorstandsmitglieder sieben Tage in der Woche im touristischen Bereich arbeiten. 
Durch die geographische Lage und die besonderen Herausforderungen einer (ausschließlich) touristisch geprägten Region ist es nicht realistisch, dass die Inselgemeinden vom Festland „mitbetreut“ werden könnten. Die sechs Inseln verteilen sich auf drei Kirchenkreise. Dies zeigt, dass diese „besondere Belastung“ zu groß ist, als dass sie aus Mitteln der betroffenen Kirchenkreise finanziert werden kann und die Inseln auf die landeskirchliche Solidarität angewiesen sind. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung, damit die Inselkirchengemeinden weiterhin frohen Herzens für Menschen von nah und fern da sein können! Helfen Sie mit, damit es weiterhin auf jeder Insel eine Pfarrstelle gibt!